Geschwaderfahrt "Rund Rügen"

10.07.2014 23:30

Eine große Aufgabe zu bewältigen hatten sich einige Mitglieder unseres Segel Clubs in diesem Jahr vorgenommen. Mit den im Sprachgebrauch als Dickschiffe bezeichneten Jollenkreuzern wollte wir die Insel Rügen umrunden. Nach einigen Vorbesprechungen stand der Termin dann fest. Am Sonntag den 22.06. 2014 ging es los. Von den bei den ersten Besprechungen geplanten fünf sind an diesem Tag drei Besatzungen mit ihren Booten aufgebrochen. Die Boote waren: Die Isny mit Skipper Thomas Stichternach und Vorschoter Werner Zach, die Mistral mit Skipper Andreas Blume, Vorschoter Dirk Schiemann und Mitsegler Dieter Rischmüller sowie die Uno mit Skipper Olaf Schoknecht und Vorschoter Frank Pelka. In Altefähr, gegenüber der Hansestadt Stralsund auf der Insel gelegen, wurden die Boote ins Wasser gebracht, eine bei sehr starken Wind nicht leichte Aufgabe, denn in dem engen Hafenbecken ist sehr wenig Platz. Bei dieser Aktion ist ein kleines Malheur an einem Festlieger passiert, aber das ist Segelpraxis. Die erste Nacht an Bord war aufgrund des starken Windes und dem daraus resultierendem Wellenschlag etwas unruhig und aufregend zugleich. Wegen des weiterhin starken Windes von 5-6 Beaufort am nächsten Morgen war an ein Auslaufen und den damit verbundene Start zur Rügenumrundung leider nicht zu denken. Ein Erkundungstrip mit dem Auto verschaffte uns einen ersten Überblick über unsere anzusteuernden Ziele und wir konnten uns ein Bild davon machen, was uns erwartete.

Am Dienstag ging es dann endlich los. Da wir aufgrund der zu erwartenden Windrichtungen entgegen dem Uhrzeigersinn die Insel umrunden wollten, postierten wir uns pünktlich um 08,10 Uhr an den Dalben der Ziegelgrabenbrücke. Diese Eisenbahnklappbrücke ist Teil des alten Rügendammes und kann nur während der festen Öffnungszeiten passiert werden. Nach dem Passieren dieser Brückendurchfahrt wurden noch im Bereich des Stralsunder Hafens die Segel gesetzt und es ging mit achterlichem Wind in Richtung Greifswalder Bodden. Nach telefonischer Rücksprache unter den Crews wurde das Tagesziel vom Hafen Lauterbach auf den Hafen Gager im Südosten der Insel verlegt. Da der Wind am Nachmittag stark nachließ und ein Gewitter mit heftigem Regen aufzog, entschlossen sich die Skipper die letzten Seemeilen unter Motor zurück zu legen. Ankunft in Gager war, nach 48,3 Kilometern, um 17,30 Uhr. Der erste anstrengende Tag auf See,aber das abziehende Gewitter entschädigte uns dann mit einem wunderbaren Sonnenuntergang über der Insel.

Mittwoch. Der zweite Segeltag sollte uns von Gager im Süden der Insel nach Sassnitz, der Hafenstadt an der Ostküste unterhalb der Kreideküste gelegen, führen. Diese Strecke war die geplant längste der Tagesetappen. Leider musste die Besatzung der Uno an diesem Morgen eine verhängnisvolle Entscheidung treffen. Nach eingehender Untersuchung des Bootes stellte sie fest, dass sie den Hubkiel verloren hatten. Ein erfolgreiches Segeln war unter diesen Umständen nicht mehr möglich und nur unter Motor wollte man eine solch lange Strecke dem Boot und auch sich selbst nicht zumuten. Nun galt es Abschied zu nehmen.Dank der Tatsache,dass die Freundin von Skipper Andreas zeitgleich mit uns in der Region Urlaub machte und uns landseitig begleitete, war schnell eine Möglichkeit gegeben, das Auto und den Trailer nach Gager zu schaffen und das Boot aus dem Wasser zu holen. Die Nachricht, dass sie mit ihren Boot den Nachhauseweg angetreten hatten,erleichterte uns, drückte aber auch ein wenig die Stimmung. Wenn man ein drittel seines Geschwaders verliert, ist das schon traurig. Wer weiß,wie weit Kolumbus bei seiner Amerikaentdeckung gekommen wäre, wenn er ein Schiff verloren hätte.

Wir aber machten weiter. Um 09,30 Uhr verließen wir Gager. Nach passieren der ausgetonnten Fahrwasserrinne setzten wir um 10,00 Uhr die Segel und fuhren einen Halbwindkurs von 120° grobe Richtung der kleinen Insel Ruden. Auf Höhe der Ansteuerungstonne Landtief W nördlich vom Ruden änderten wir den Kurs auf 0 Grad und wollten versuchen,hoch am Wind die Landmarke Nordperd zu umrunden. Aufgrund der Windverhältnisse, kreuzen gegen den Wind und der langen Distanz dieser Tagesetappe, entschieden sich die Skipper bis zum Nordperd unter Motor zu fahren. Nach erneutem Kurswechsel um15,00 Uhr nordöstlich Nordperd auf 300° kämpften wir uns dann unter Segeln hoch am Wind Richtung Sassnitz. Wir hatten die Seebrücke Binz um 16,45 Uhr backbord querab und erreichten Sassnitz nach 49,5 Kilometer Wegstrecke und 11 Stunden auf dem Wasser um 20,30 Uhr. Direkt an der Mole machten wir unsere Boote fest und ließen den Tag auf einem zum Restaurant umgebauten Großsegler ausklingen.

Donnerstag. Der dritte Tag begann,obwohl die kürzeste Tagesetappe vor uns lag,schon sehr früh. Auslaufen um 07,30 Uhr und unter Motor rum um die berühmten Kreideküste. Beeindrucken diese steil aus dem Meer aufsteigenden Kreidefelsen mit dem aufgesetztem Grün der mächtigen Buchenwälder der Stubbenkammer des Nationalparks Jasmund und das Farbenspiel an der Küste und im Wasser. Und das alles bei strahlendem Sonnenschein, nur das Geknatter der Motoren störte ein wenig. Da genug Zeit an diesem Tag vorhanden war, entschlossen wir uns in Lohme eine Zwischenstopp einzulegen. Dieser kleine Hafen direkt hinter der Steilküste der Kreide lädt geradezu dazu ein. Die Weiterfahrt nach Glowe, unserem Tagesziel,war dann nur noch eine Sache von einer Stunde. In dem erst vor wenigen Jahren gebauten Hafen erwartete uns ein Zelt zum Public Viewing, Deutschland gegen die USA. Aber vorher wurden einige Einkäufe getätigt. Frisches Obst gegen Skorbut und einige Kleinigkeiten aus einem Baumarkt. Solch lange Beanspruchungen hinterlassen bei Booten und Besatzungen Spuren. Deutschland gewann das Spiel und wir bereiteten uns auf den Höhepunkt der Reise vor.

Freitag. Rasmus, altes Wasserschwein, schenk und Wind und Sonnenschein. Der Gott des Windes und der Wellen meinte es an diesem Tage, dem Tag der Tage schlechthin auf diesem Segeltörn, sehr gut mit uns. Bei strahlendem Sonnenschein und Wind aus SO mit 2-3 Beaufort verließen wir Glowe um 09,30 Uhr. Mit perfekt raumem Wind passierten wir um 11,00 Uhr Arkona Riff und hatten um 11,15 Kap Arkona querab. Eine Flasche Sekt war für diesen Augenblick mit an Bord. Um 11,45 Uhr erreichten wir mit den Koordinaten 54°41,4' N und 013°25,8' E den nördlichsten Punkt unserer Reise und legten neuen Kurs auf 270° westwärts. In diesem Abschnitt der Reise erreichten wir die höchste auf diesem Törn gesegelte Geschwindigkeit von 8,7 kn, das entspricht etwa 16 Kmh. Dieser seglerische Hochgenuss wurde dann aber dem Verlangen zweier Angler geopfert.

Nach auslegen eines Treibankers wurden die Ruten ausgeworfen und dem Dorsch nachgestellt, mit allerdings wenig Erfolg. Bei auffrischendem Wind ging es dann in das enge, aber gut ausgetonnte Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen. Unter Motor passierten wir diesen doch recht komplizierten Wasserweg und erreichten um 18,15 Uhr den Hafen von Vitte auf Hiddensee.

Samstag. Das letzte Stück unserer Inselumrundung liegt vor uns.Der Wetterbericht sagt zwar für den Nachmittag Wettereintrübung und Regen voraus, aber wir wollen uns nicht davon abhalten lassen,den Leuchtturm vom Dornbusch zu besuchen. Ein langer, schöner Spaziergang durch eine wunderschöne Landschaft schaffte etwas Kontrast zu den Unternehmungen der letzten Tage. Vom Leuchtturm aus können wir noch einmal die Strecke des letzten Tages von oben betrachten. Bei einer leckere Fischsuppe im Gasthaus zum Klausner nahe des Leuchtturmes holten wir uns Kraft für die letzte Etappe. Gegen 14,00 Uhr legen wir in Vitte ab und machen uns auf den letzten Tagestörn.

Leider hatte der Wetterbericht recht und es trübte sich zunehmend ein. Ein heftiges Gewitter mit starkem Regen ließ uns nun doch noch noch einmal zum Ende unserer Reise die Naturgewalten spüren und begleitete uns ab der gedachten Linie zwischen Neuendorf auf Hiddensee und Scharprode auf Rügen. Eine sehr unangenehme Situation und ein unangenehmes Gefühl. Regen allein wäre nicht so schlimm, aber die Blitze um uns herum und der mächtig grollende Donner über der See machten uns schon ein komisches Gefühl. Keine Möglichkeit in dem schmalen Fahrwasser beizudrehen und abzuwarten, hier mussten wir nun durch.

Gerade auf dieser Strecke bewährte sich ein Regendach der Mistral hervorragend und hielt doch einiges an Wasser ab. Nass, durchgefroren und ziemlich erschöpft erreichten wir gegen 19,00 Uhr wieder Altefähr. In dem immer noch starken Regen gratulierten wir uns noch auf dem Steg zu dieser Leistung und waren doch auch froh, dass es zu Ende war. Dieser letzte anstrengende Tag hat Skipper Thomas und mich dann auch zu dem Entschluss kommen lassen, die anschließend geplante Woche auf der Müritz,zu der noch andere Boote aus unserem Verein stoßen sollten, nicht mehr zu segeln und die Heimreise anzutreten. Glücklich und auch ein bisschen stolz machten wir uns dann am Sonntag wieder auf den Heimweg, nicht ohne der Besatzung der Mistral mit Skipper Andreas die besten Wünsche, auch für die anderen Besatzungen der Müritzfahrer, mit auf den Weg zu geben.

Unsere Gedanken waren auch noch einmal bei der Olaf und Frank, die leider diese Tour aufgrund des technischen Defektes an ihrem Boot nicht mit zu Ende fahren konnten.

Aus eigener Ansicht möchte ich zu diese Fahrt noch anmerken. Wir haben bei dieser Rügenumrundung insgesamt 211 km über Grund zurück zurück gelegt. Die Boote, die wir bei uns als Dickschiffe bezeichnen,also Boote der 16 Fuß Klasse, sind durchaus dazu geeignet, in Küstennahen Gewässer der Ostsee zu segeln. Es ist auch möglich einige Tage, wenn auch unter beengten Verhältnissen,auf diesen Booten zu wohnen, wenn abends Häfen angelaufen werden oder wirklich geeignete Ankerplätze eingeplant werden. Man sollte aber bei der Auswahl der Tagesstrecken fünf bis sechs Stunden geplante Segelzeit nicht überschreiten. Das allerwichtigste ist aber, Boot und Besatzung müssen für ein solches Vorhaben geeignet und gut vorbereitet sein. Andreas sein Regendach ist da das beste Beispiel. Ich bin für solch ein Vorhaben nicht mehr geeignet, das habe ich nun gemerkt, bin aber ein ganz klein wenig stolz, es dennoch geschafft zu haben.

Mast und Schotbruch

Werner Zach

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