Geschwaderfahrt „Binnen“ 2013

15.07.2013 21:01

Die Geschwaderfahrt „Binnen“ führte die Besatzungen und ihre vier Schiffe unter der Leitung von Kommodore Gerd Knobloch in diesem Jahr auf den Schweriner See. Im Ferienpark Seehof mit eigenen Bootsstegen, wenige Kilometer nördlich von Schwerin am Westufer gelegen, Quartier bezogen.Zwei Crews teilten sich ein Mobilheim, die beiden anderen bezogen jeweils eine Finnhütte. Die armen Finnen, die in solchen Hütten leben müssen. Mehr sollte zu diesem Thema nicht gesagt oder geschrieben werden.

Gleich am Montag Morgen starteten wir zu unserem ersten Tagestörn. Unter achterlichem Wind ging es nach Bad Kleinen. Nach einer kleinen Stärkung im Restaurant Seeblick, alle aßen Kartoffelsuppe mit Krabben, machten wir uns auf eine geschichtliche Spurensuche . Durch den weltberühmten Eiertunnel erreichten wir den Bahnhof von Bad Kleinen und gedachten den Ereignissen, die vor genau zwanzig Jahren unsere Republik so durchgerüttelt hatten. Die Rückfahrt, hoch am auffrischenden Wind zweimal kreuzend, brachte uns dann wieder an unseren Liegeplatz in Seehof zurück. Der Abend klang aus beim Oberförster (Campingplatzkneipe) unterm Vordach.

Den guten Wind am Dienstag wollten wir nutzen, um nach Schwerin zu segeln. Da diese Stadt aber am Untersee liegt, welcher durch den Paulsdamm und einer  Brückendurchfahrt vom Obersee getrennt ist, hatten wir uns entschlossen, noch am Steg in Seehof die Masten zu legen, unter Motor die von uns nur knapp zwei Kilometer entfernte Brückendurchfahrt zu passieren und erst dann den Mast wieder zu stellen. Das klappte bestens und wir mussten nun, der Wind wehte immer noch aus Süd-West, hoch am Wind nach Schwerin hineinkreuzen. Durch die vielen mit Untiefentonnen gekennzeichneten Flachwassergebiete und dem daraus resultierenden Zickzackkurs ein nicht gerade einfaches Unterfangen, das dann auch zu einigen Grundberührungen führte. Aber Ende gut, alles gut. Ein Spaziergang durch die Schlossanlage und die direkt an die Schlossinsel anschließende Altstadt vermittelte uns einen Einblick in die Baukultur des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Schön wollte man es haben. Zur Rücktour trennten sich die Wege der Segler des SCS 78. Während zwei Schiffe den Weg unter Segeln zurück wählten, fuhr die Elisa mit gelegtem Mast die Wasserstrasse über den Heidensee, den Ziegelsee und den langen Graben in den oberen Teil des Schweriner See und zurück zum Liegplatz in Seehof. Abschluss wieder beim Oberförster.

Der Mittwoch stand wettermäßig unter keinem guten Seglerstern. Die Vorhersage sprach von Regen, Hagel, Blitz und Donner. Daher entschlossen wir uns einen Landtag einzulegen. Wir fuhren mit zwei PKW in Richtung Ostsee. Kurz vor Boltenhagen schauten wir uns die vor ca. vier Jahren fertig gestellte Marina „Weiße Wieck“ an. Ein toller Yachthafen mit angeschlossenem Hotel vom Feinsten, allerdings wenig besucht. Sicherlich noch erwähnenswert ist das Hafenrestaurant mit einem umgedrehten alten Fischkutter als Dach. Danach ging es nach Wismar. Gleich zu Beginn unseres Besuches in der Stadt machten wir der beliebten Krimi Serie SOKO Wismar zumindest in der Fahrweise ihrer Einsatzfahrzeuge Konkurrenz. Was Straßenbaustellen alles verursachen können. Dann besichtigten wir den Hafen und die altehrwürdige Hansestadt mit ihrem historischen Stadtkern. Nach der Wende wunderbar wiederhergestellt zeigt sie uns heute, wohin unser Solidaritätsbeitrag die Jahre über geflossen ist. Aber diese Verwendung macht sicherlich Sinn. Nach einer Erfrischung im Schatten der Wasserkunst am Marktplatz machten wir uns wieder auf den Heimweg.

In Seehof angekommen erwuchs in uns der Wunsch, dieses schöne Lokal in Bad Kleinen mit seiner uns allen wohlgefallenen Bedienung noch einmal zu besuchen und dort zu Abend zu essen. Die machte aber gerade Feierabend und wir mussten mit ihrem jungen Kollegen vorlieb nehmen, der der Frage nach einer Currywurst konsterniert antwortete: „Mein Herr, wir sind ein renommiertes Speiselokal, so etwas führen wir nicht“. Er zählte uns dann die kulinarischen Köstlichkeiten seiner Speisekarte aus dem Kopf heraus auf, fast alle begnügten sich mit Matjes und Bratkartoffeln. Die Stimmung war ab diesem Zeitpunkt etwas bedrückt.

Am Donnerstag wollten wir wieder segeln und das im nördlichen Zipfel des See gelegene Hohen Viecheln ansteuern. Leider dehnte der abflauende Wind dieses Vorhaben zeitlich etwas aus. Aber letztlich gelang uns das dann doch noch ganz ordentlich (Motor) und wir legten uns vor den Kopf eines Anlegesteges ins Päckchen. Weitere Liegplätze waren nicht vorhanden oder gehörten einem Fischer und waren für uns nicht nutzbar. Eben aber bei diesem Fischer gab es auch leckeren Fisch mit Bratkartoffeln, so dass auch hier für das leibliche Wohl wieder bestens gesorgt war. Bei einem Rundgang durch den Ort besichtigten wir die für so ein kleines Dorf doch recht groß geratene Kirche und waren überrascht über die alten Grabinschriften, auf denen immer der Beruf mit angegeben war. Am meisten fiel natürlich die Bezeichnung „Erbfischer“ auf, die reichlich vorhanden war. Die Rückreise dauerte aufgrund des abflauenden Windes dann leider entsprechend lange.

Am Freitag war aufgrund des kaum vorhandenen Windes ein kleines Stimmungstief entstanden. Die Teilnehmer einigten sich darauf, das jeder seinen eigenen Bedürfnissen Raum geben konnte. So teilte man sich und ging verschiedenen Aktivitäten nach. Ein Schiff fuhr noch einmal nach Hohen Viecheln. Diese Fahrt entwickelte sich dann allerdings noch zu einer kleinen Regatta gegen ein baugleiches Schiff, das sich ebenfalls auf dem Weg dorthin befand. Es bleibt zu erwähnen, dass das Schiff des SCS 78 dieses Rennen gewonnen hat. Die Mehrzahl der Teilnehmer der Geschwaderfahrt Binnen fuhr noch einmal, diesmal allerdings mit dem Auto, nach Schwerin. Ein Besuch auf der Insel Kaninchenwerder war geplant. Trotz Fahrt mit dem Seebäderschiff und anschließendem Anfahren von dem Ortsteil Zippendorf und der Erkundung sämtlicher Möglichkeiten blieb den Frauen und Männern der Zutritt zur Insel leider verwehrt. Auf dem Rückweg entschlossen sich alle: Heute Abend wird gegrillt. Der Einkauf war schnell erledigt und man saß auf der Terrasse des Mobilheimes zusammen. Auf dem Rückweg zu ihrer Finnhütte durften Oliver Steib und seine Schwester Sylvia erfahren, was es heißt, sich der Platzordnung zu widersetzen und nach 22 Uhr noch mit dem PKW über den Platz zu fahren.

Am Samstag, der Abreisetermin rückte bedrohlich nahe, sollte noch einmal gesegelt werden. Ein kurzer Törn wieder in Richtung Nord zu dem Örtchen mit Schloss Willigrad. Zwischen dem westliche Ufer und der Insel Rethberg hindurch steuerten wir einen notdürftig befestigten Uferabschnitt direkt unterhalb des Schlosses an. Kein schöner Liegeplatz aber für ein, zwei Stunden ausreichend. Die Anstrengungen des steilen Treppenaufstieges wurden belohnt durch den Aufenthalt und die Bewirtung in einem, na sagen wir einmal, alternativen Hofkaffee in künstlerischer Umgebung.Ein würdiger Abschluss einer schöner, erlebnisreichen Woche am Schweriner See.

Einen kleinen Wermutstropfen erlebte ich dann noch kurz vor der Haustür. Am Bahnübergang in Harsum versagte das linke Hinterrad meines Bootstrailer seinen Dienst und brach einfach ab, schade.

 

Die Schiffe und ihre Besatzungen

Esther:           Gerd Knobloch, Werner Görlich, Silke Berking

Ikimao:           Karl Hermann Meysing, Thomas Stichternath

Elli-P:             Oliver Steib, Sylvia Steib

Elisa:              Werner Zach, Rainer Bollin

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